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Be like water

Weißt Du, was ich an diesem kollektiven Drama, in dem wir uns spätestens seit Beginn der globalen Covid-Pandemie befinden, am erschreckendsten finde?

Uns Menschen.

Die einen befolgen und verteidigen in vorauseilendem Gehorsam brav jede Anordnung unserer Machthabenden und fühlt sie auch noch so falsch an, andere wiederum werfen ihre Wut und ihren Frust darüber jedem ungefragt und unplugged vor die Füße. Gutbürger gegen Wutbürger und der Rest dann wohl irgendwo dazwischen.

Natürlich ist auch mein limbisches System permanent getriggert von all dem, was da im Außen gerade so passiert. Und glaube mir, ich kenne das nur zu gut, wenn plötzlich die rote Lampe angeht und jegliche Kontrollfunktion über die eigenen Emotionen sich verabschieden.

Ist kacke.

Der klare Verstand, der irgendwann später wieder einsetzt, sieht kopfschüttelt auf die Kollateralschäden und zeigt mir einfach nur den Vogel.

Peinlich.

Was mir hilft in so einer Situation ist ganz viel Verständnis. Und Liebe. Für mich selbst. Und für die anderen. Weil wir alle Menschen sind und dieses limbische System zwar keine Rechtfertigung, aber zumindest eine ziemlich menschliche Erklärung für so Kollerattacken sind.

Also erst einmal Verzeihen. Und dann daraus lernen, damit es bei der nächsten Meinung, die partout  nicht ins eigene Weltbild passen will, etwas friedlicher laufen kann. Übung macht den Meister.

Und hier dürfen wir lernen von Bruce Lee und seinem Zitat, das ich übrigens total sexy finde, „be like water, my friend“.

In der Lage zu sein, sich auf neue Anforderungen der Umwelt einzustellen, braucht Mut und die Bereitschaft, das anzunehmen, was ist. Flexibel und weich bleiben, improvisieren und den eigenen Weg mit Ruhe, Kraft und Kontinuität zu bahnen, ist sexy.

Aber da ist ja noch das Ego. Die seltsame Macht in uns, die  immer Recht haben will. Wir alle haben ein Ego. Natürlich hat das seine Berechtigung, schließlich ist es das, womit wir uns in der Welt positionieren, identifizieren und als Mensch erfahren. Mit unserem Ego präsentieren wir uns nach Außen und stellen uns anderen vor.

Soweit, so normal.

Blöd ist es allerdings, wenn dieses Ego so ein krasses Eigenego entwickelt und wir selbst dem permanent hinterherhecheln. Machst Du nicht? Glückwunsch. Aber überleg noch mal…

Tatsächlich stehen sich meistens nur unsere Egos gegenüber. Wir selbst sind kaum zu erkennen. Wir geben uns nämlich nicht so gern zu erkennen. Könnte ja weh tun. Also schicken wir unser Ego an die Front.

Und da steht es dann. Einem anderen Ego gegenüber. Und jedes hat seine eigene Weltsicht und glaubt, das ist die Realität. Und es versteht dann einfach nicht, wenn das andere Ego so ganz anders tickt. Und schon gibt es einen Fight. Nichts mit Wasser. Da geht’s hart zur Sache.

Sieht und liest man überall. Egal wo Du hinschaust, lauter sich empörende und bekämpfende Egos. Das ist unsere Gesellschaft. shit happens…

Wir schenken uns da alle nichts. Egal ob Gut-, Wut- oder sonstwie Bürger.

Ich spüre das natürlich auch an mir selbst. Trotzdem ich für mich ganz persönlich besonders in dieser krisengeschüttelten Zeit ganz viel Positives erfahre und mit voller Passion fast täglich an meinem Mindset feile, erwischt mich immer mal wieder eine Welle destruktiver Energie. Und die knockt mich temporär voll out.

So oft habe ich mich, vor allem in diesem letzten Jahr, empört. Über so Vieles…die zunehmende Rücksichtslosigkeit in unserer Gesellschaft, die soziale Ungerechtigkeit, über das MachtgeEIERe unserer Politiker, die zunehmend restriktiven Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Virus, die geringschätzende Kommunikation der Menschen untereinander, es gibt so Vieles über das ich mich täglich empören könnte, aber ich bin müde davon. Und gelangweilt.

Die Dinge werden nicht besser und Menschen verändern sich nicht, nur weil ich mich über darüber aufrege.

Ich spüre, dass, wenn ich mich permanent in den Widerstand begebe und immer wieder über alles Mögliche aufrege, nur immer wieder meinem eigenen Ego hinterherjage und dabei nichts Gutes bewirke. Und dass ich auf diese Art auch nicht mein eigenes gutes Leben lebe. Im Gegenteil, ich bekämpfe mich selbst damit in autoaggressiver Weise.

Immer wenn mein Ego meint, etwas ist falsch, das dürfte alles so nicht sein, andere seien blöd, plustert es sich einfach nur empört auf. Das ist keine produktive, nach vorne gerichtete Kraft. Es hilft nicht. Weder mir, noch der Welt. Und es ist ganz sicher nicht sexy.

Ok, es schafft vielleicht kurzfristige Genugtuung oder boxt ein paar Dinge durch, aber es ist immer ein Kraftakt, der sehr oft Schaden anrichtet.

Ich glaube daran, dass es möglich und viel sinnvoller ist, dem Leben auf eine friedvollere Weise zu begegnen. Und so wesentlich besser oder überhaupt zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Das bedeutet nicht, dass ich resigniere oder mich gar geschlagen gebe, es bedeutet einfach nur anzunehmen, was nun mal gerade Phase ist. Durchatmen, das limbische System beruhigen und frei nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft“ dem klaren Verstand Raum zu geben.

Mein Geist ist frei, sich der gegebenen Form anzupassen, sich ihrer zu bedienen und seiner Bestimmung zu folgen, ohne sich dabei zu verbiegen oder zu etwas anderem zu werden.

Wie Wasser in einem Fluss, das einfach fließt und dabei lässig seinem klaren Ziel, das Erreichen des Meeres, folgt.

Dieser Frieden ist so unendlich kraft- und machtvoll. Voll fokussiert, passt sich das Wasser den äußeren Bedingungen an und bedient sich derer auf selbstverständliche, unaufgeregte Weise. Und es bleibt dabei das, was es ist. Wasser.

Frieden braucht einen klaren Grund, ein Ziel.

Dieses Ziel, diesen Grund, habe ich in mir hinterfragt.

In meinem Leben ist es immer wieder so, je hehrer meine Absichten, desto krasser prüft mich mein eigenes System. Es sendet mir dann Stolpersteine, die ganz klar hinterfragen, wie wichtig ist ihr das jetzt wirklich? Und was ist sie bereit dafür zu opfern?

Spätestens seitdem ich das Credo meiner Arbeit mit Zoés Kosmos offen kommuniziere, hat auch mein System vernommen, dass ich nicht nur mich selbst, sondern auch andere Menschen daran „erinnern“ möchte, dass Frieden, Freiheit, Glück oder Liebe nicht im Außen, sondern primär in sich selbst zu finden ist.

Soweit, so schön.

Und, weil mein Leben mich ja bestens kennt, fragt es mich, wie gut ich das, was ich anderen vermitteln möchte, selbst drauf habe. Und zwar im real life. Nicht in der schönen Blase in der alles so easy peasy ist, weil ich dort nun einmal überwiegend mit Menschen zu tun habe, die ein sehr ähnliches Modell von Welt und Leben haben.

So war auch die letzte Prüfung, der ich mich erst kürzlich wieder einmal stellen durfte, eine Herausforderung, der ich ganz bewusst nicht im Kampf (das wäre zu einfach gewesen), sondern mit Lässigkeit, Leichtigkeit und im inneren Frieden begegnet bin. Auch wenn es sich verrückt anhört, das war die viel größere Challenge. Eine Meisterschaft, die ein weiterer Befreiungsschlag für mich war.

Ich stand wieder einmal mittendrin in so einem Feuer. Mit all den Up’s and Down’s, die das so mit sich bringt. Klar, dass ich in so einem Feuer immer auf Menschen treffe, die mir echt die Knöpfe drücken, wie es so schön heißt.

Diese Menschen sind, ohne es zu wissen und wahrscheinlich auch ohne es zu wollen, ein echtes Geschenk, denn sie sind es, die genau die Emotionen, den Schmerz triggern, dem ich gern davon laufe.

Vor ein paar Jahren noch hätte ich in so einer Situation ganz me-like entweder die Flucht ergriffen oder versucht das lodernde Feuer mit allen Mitteln zu löschen, durchaus im Gewahrsein der Kollateralschäden, die bei radikalen Feuerlöschaktionen immer mit einhergehen.

Um diese Feuer nicht aushalten zu müssen, hatte ich gut funktionierende Strategien. Wegrennen, dorthin, wo es nicht erst einmal nicht so brennt oder eben die Flammen möglichst rasch und radikal bekämpfen.

Rückzug oder Angriff. Das waren meine beiden Optionen, von denen ganz gern den Rückzug gewählt habe.

Immer dann, wenn es mir zu „heiß“ wurde, war ich weg. Und „heiß“ meint alles Mögliche. Alles das, was ich nicht fühlen wollte. Ängste, Trauer, Ohnmacht, das Gefühl, fremd zu sein, anders, nicht dazuzugehören, in der Falle zu sitzen…

Immer dann, wenn eine Situation, die ich übrigens in schöner Regelmäßigkeit selbst kreiere, eine dieser alten Wunden in mir aufgerissen und sich dieser Schmerz offenbart hat, bin ich also geflüchtet.

Manchmal ging ich auch auf Angriff. Dann wurde ich wütend, schlug um mich (im übertragenen Sinne, versteht sich) und verletzte andere damit.

Ich bin nicht stolz drauf, aber solche Situationen gab es öfter in meinem Leben und leider hat es ziemlich lange gebraucht, bis ich gecheckt habe, dass es nicht die Situation, die Umstände oder die anderen Menschen sind, an denen ich drohte zu verbrennen, sondern dass ich es bin.

Wie gesagt, es war ein längerer Weg, um das erst einmal zu begreifen. Und mit begreifen meine ich nicht, es intellektuell zu verstehen, sondern es wirklich auf mich und auf mein Leben zu beziehen.

Und als ich das begriffen habe, stand ich mir selbst vollkommen nackt gegenüber. Und dieses Mal wollte ich es aushalten. Den Raum halten.

Ich sah auf diese Diskrepanz zwischen dem, was ich wünschte zu sein, dem, was ich mir selbst und auch anderen gerne von mir erzähle und der Realität.

Und ich wusste in dem Moment, wenn ich wirklich heilen will, wenn ich den Frieden, an den ich auch andere „erinnern“ möchte, in mir selbst fühlen will, und das ist die Voraussetzung, ansonsten sollte ich besser die Klappe halten, und das wiederum kann ich nicht, dann muss ich mich dieser Realität stellen.

So konnte ich mich selbst annehmen, so, wie ich bin. Nicht als die Heldin, die ich gerne wäre, sondern als die, die ich bin. Mit all der Unvollkommenheit, all dem alten Schmerz, all meinen kleinen und größeren Neurosen, den ganzen shamy-Schattenanteilen.

Ich muss nicht kämpfen, ich muss mich nicht verbiegen, wenn ich das, was ist, wirklich annehme.

Und so bin ich in diesem fucking Feuer einfach mal stehen geblieben, habe die Arme ausgebreitet (auch physisch wenn gerad keiner hinschaute) und alle Gefühle, die kamen, einfach zugelassen. Habe sie nicht weggedrückt, bekämpft oder bin vor ihnen davon gelaufen. Ich habe sie einfach reingelassen.

Und dann, genau in dem Moment, spürte ich den inneren Frieden, den ich gar nicht erklären kann.

Nichts muss mehr. Alles ist. Und alles darf sein. Selbst das, wovor ich mich immer gefürchtet habe, das, was ich nie annehmen wollte, hat mich nicht umgebracht. Im Gegenteil. Es darf jetzt sein. Weil es ist. Und ich merkte, wie es anfing sich endlich zu entspannen.

Und nein, das ist nicht immer einfach in diesem Feuer wirklich stehen zu bleiben und manchmal gelingt mir das auch nicht.

Dann merke ich, wie ich in alte Muster falle oder wütend werde. Meine gute Bekannte, die Wut, die sich schützend vor das eigentliche Gefühl stellt. Vor die Hilflosigkeit, die Ohnmacht, oder die Traurigkeit.

In solchen Momenten befriedet sich mein Ego nicht. Es will Recht haben. Es will Recht bekommen. Und es findet Argumente. Es findet Recht-Fertigungen. Es findet alles. Aber keinen Frieden.

Aber dann taucht, wenn ich Glück habe, in meinem inneren die Frage auf, will ich wirklich Recht haben oder möchte ich lieber glücklich sein.

Das ist dann eine Entscheidung. Meine freie Entscheidung. Meine Freiheit.

Und tatsächlich schaffe ich es damit oft, mitten drin innezuhalten und diese Lawine zu stoppen, bevor sie mich oder andere überrollt. Ich drücke diese innere Stopptaste und lasse einfach zu, was ist.

Das entspannt. Nicht nur mich, sondern auch die anderen. Und das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Weil es so viel Freiheit in sich trägt. In diesem Moment entspannt sich all die Ohnmacht, all die Angst all die Hilflosigkeit vollkommen. Weil alles sein darf, wie es ist. Das fühlt sich total genial an.

In dieser Entscheidung liegt so viel Freiheit.

Be like water, my friend.

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