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von Grüß Gott und Shiboka

Als Preuße in Bayern erlebst Du ja so Einiges. Dabei bin ich streng genommen als Bielefelderin ja nicht mal eine Preußin…aber hey, geschenkt….wozu sich auch lange mit Details aufhalten…

Als ich so Mitte 20 war, damals hab ich noch in Bielefeld gelebt, hatte ich einen ziemlich coolen Job, der mich regelmäßig ins schöne Bayernländle führte.

Oft habe ich in Hotels übernachtet und dort bin ich immer wieder auf folgenden Spruch gestoßen:

„It’s nice to be a preiss, but it’s higher to be a bayer.“

Meistens baumelte der in verschnörkelten Buchstaben für jeden Gast gut sichtbar platziert auf einem Holz- oder Emaille-Schild irgendwo am Tresen oder am Empfang. Mitten im Süden mal kurz eingenordet. Da weisste gleich, wo der Hammer hängt…

Aber auch das…geschenkt! Mit geht’s heute um einen ganz anderen Brauch. Nämlich um das Grüßen. Insbesondere um das in Bayern sehr gern verwendete „Grüß Gott.“

Ich geb‘ zu, es hat etwas gedauert, bis mir dieser Gruß einigermaßen geschmeidig über die Lippen kam.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich als jemand, die außerhalb der Landesgrenze sozialisiert ist, ganz andere Sprüche drauf hab, wie z.B. „moin“ oder „hey“ oder, wenn es etwas förmlicher sein darf auch gern „Guten Tag“, ist es ja auch so, dass dem Bayern geradezu die Ohren bluten, wenn ein „Preiß“ versucht den Dialekt zu kopieren. Braucht kein Mensch. Seh‘ ich genauso.

Aus genau diesem Grund kommt mir „Hab‘d‘Ehre“ auch nicht über die Lippen. Ich find das so charmant, aber ich kann es einfach nicht aussprechen. Ein „Grüß Gott“ ist gerad noch drin, ohne mich gleich überall als simpel „nice“ zu outen.

Bevor ich mit diesem Gruß aber auf die Menschheit losgehe, wollte ich gern wissen, was der eigentlich genau bedeutet. Also, was er den Bayern wirklich bedeutet.

Und dabei bin ich auf die Erklärung gestoßen, dass, wenn zu mir jemand „Grüß Gott“ sagt, der gar nicht meint, dass ICH Gott grüßen soll, sondern, dass Gott MICH grüßt. Der Grüßende wünscht mir damit, dass Gott mit mir sein und mir im Alltag begegnen soll.

Die Kirche setzt diesem Gruß noch einen drauf. Nämlich, dass „der Herr Dich segne und behüte, sein Angesicht über Dir leuchten lasse und Dir Frieden gebe.“

Ein schöner Gedanke.

Aber für mich ergibt das so nicht wirklich Sinn, denn das würde bedeuten, dass Gott als ein externes Wesen, irgendwo da draußen rumschwirrt, all unsere Geschicke lenkt und wir seinem „go(o)d will“ ausgeliefert sind. Daran glaube ich nicht.

Für mich stimmt eher der Gedanke, die These, dass Gott, oder besser gesagt, das Göttliche in jedem von uns existiert und wir deshalb auch alle Gott sind. Zumindest ein Teil in jedem von uns ist Gott.

So macht dieser Gruß für mich Sinn.

„Grüß Gott“, bedeutet für mich, „Mein göttlicher Teil grüßt den Teil in Dir, der Gott ist. Ich sehe diesen Teil in Dir und Du könntest ihn bei dieser Gelegenheit ja auch mal wieder wahrnehmen.“ So ähnlich halt.

Mittlerweile feiere ich es jedes Mal, wenn jemand „Grüß Gott“ zu mir sagt.

Weil dieser Mensch mich daran erinnert, dass dieser göttliche Teil in mir nicht nur so vor sich hin schlummern soll, sondern dass ich eingeladen bin, ihm Raum zu geben und so groß werden zu lassen, dass er über mich hinaus wachsen und Andere berühren kann.

Also diese Möglichkeit besteht. So als Angebot.

Wir können den Gruß samt Einladung natürlich auch in unserem inneren Nirvana verklingen lassen bis kein Echo mehr kommt. Auch das ist möglich.

Ich höre in einem herzlich entgegengeschmetterten „Grüß Gott.“ klar den Subtext: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in Dir.“ und ich nehme die Challenge bewusst an, in diesem Moment das Göttliche in mir zu wecken, falls es gerade eingenickt sein sollte.

Wie? Ganz einfach. Zum Beispiel, indem ich freundlich bin, mein Gegenüber wirklich wahrnehme, zurück grüße, lächle oder vielleicht ein Kompliment mache. Es gibt so viele kleine Gesten, womit wir anderen zeigen können, dass wir sie sehen und die Welt ein bisschen besser machen können.

Also DANKE, liebe Bayern und natürlich auch den Österreichern oder wer auch noch diesen Gruß so frei verschenkt. I love it.

Aber wir Preußen haben auch noch ein Ass im Ärmel. Unser lässig hingeworfenes „Tschüss“, das den Bayern meistens gar nicht schmeckt, entlarvt es doch die preußische Identität sofort, leitet sich ab vom spanischen Adios und das bedeutet „zu Gott“. (a dios).

Nice?

Zum Schluss noch einen kleinen Abstecher vom Süden Deutschlands in den Süden Afrikas. Dort lebt der Stamm der Zulu, dessen Begrüßung alles toppt, wie ich finde.

Die Menschen dort begrüßen sich mit dem Wort „Sawubona“, was so viel bedeutet, wie “Ich sehe dich, du bist mir wichtig und ich schätze dich“.

Das macht die andere Person sichtbar und akzeptiert sie in ihrem Sein, mit all den Tugenden, besonderen Eigenarten und Schwächen.

Auf diese Begrüßung antworten die Leute normalerweise mit „Shiboka“,  was bedeutet, “Dann existiere ich für dich”.

Mehr als nice. High five.

In diesem Sinne…

Grüß Gott, Sawubona, tschüss und Shiboka

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